Reisebericht Nord-Laos und Thailand, 04.01.-04.02.2006

© Rainer Kuhn, 2006-2007     Homepage www.asiatravels.de

Der folgende Reisebericht meiner Reise mit Tanja durch Nord-Laos und Thailand basiert auf Emails, die ich waehrend unserer Reise in Internetcafes verfasst, in unregelmaessigen Abstaenden verschickt und zuhause stellenweise nachbearbeitet habe. Die derzeit veroeffentlichten Fotos* sind mit einer kleinen Digicam aufgenommen worden. Zu einem spaeteren Zeitpunkt (wenn alle Dias gerahmt/sortiert und dann irgendwie digitalisiert worden sind) soll das Ganze noch mit weiteren Bildern ergaenzt werden...

Fragen, Anregungen sowie Spenden zur Anschaffung eines Dia-Magazinscanners ;-) bitte an rainer@asiatravels.de.

Print Reisebericht drucken


Teil 1: Outdoor-Fun in Vang Vieng (06.01.-12.01.06) [Fotogalerie 1]
Teil 2: Von Luang Prabang stromaufwaerts auf dem Nam Ou (13.01.-15.01.06) [Fotogalerie 2]
Teil 3: Von Muang Khoua nach Luang Nahmtha (16.01.-17.01.06) [Fotogalerie 3]
Teil 4: Forest Camp: Trekking im Nam Ha NPA (18.01.-20.01.06) [Fotogalerie 4]
Teil 5: Bootstour auf dem Nam Tha nach Houay Xai (21.01.-22.01.06) [Fotogalerie 5]
Teil 6: Thailand: Von Chiang Rai zur Andaman Sea (23.01.-04.02.06) [Fotogalerie 6]



Intro/Anreise
(04.01.-06.01.2006)

Sabaidee!

Nach wirklich schlechtem Beginn unserer diesjaehrigen Reise sind wir doch noch in Laos angekommen...

Aber von vorne: am 4.1., dem Tag unseres Abflugs, haben wir 15min. vor Abflug am Frankfurter Flughafen erfahren, dass unsere Maschine der Fluglinie 'Emirates' wegen technischer Probleme nicht starten kann und wir im Steigenberger Flughafen-Hotel uebernachten muessen. Dadurch waren auch alle weiteren Anschlussverbindungen, die wir ueber Dubai und Bangkok nach Laos hatten, geplatzt. Der neu angesetzte Starttermin am naechsten Tag um 11h platzte dann auch, die Maschine flog gar nicht mehr. Nach grossem Chaos wollte man uns schliesslich 24h spaeter in eine Maschine nach London setzen, von wo aus wir irgendwie nach Bangkok weiterverschifft werden sollten. Daraufhin haben wir einen grossen Aufstand gemacht, und schliesslich hat ein netter Emirates-Angestellter versucht, uns ueber Standby noch in einen Thai Airways-Direktflug einzubuchen. Nach extremer Hektik und Rumhetzerei samt Gepaeck haben wir's dann tatsaechlich noch geschafft: Thai Airways hat uns mitgenommen, und am 6.1. waren wir morgens um 6h in Bangkok. Dort ging die Hetzerei sofort weiter, aber wir haben's auch hier -gerade noch, fast minutengenau- geschafft, einen Anschlussflug nach Vientane, Laos' Haupstadt, zu bekommen. Und wir waren nur 1-2 Stunden spaeter dort, als wir vermutlich wie geplant eingetroffen waeren. Eine Flußidylle in Vang Vieng
Flußidylle in Vang Vieng
logistische Meisterleistung :) , nachdem wir erst mit 18h Stunden Verspaetung in Frankfurt losgekommen sind. War natuerlich auch deutlich teurer, aber dafuer kommt ja hoffentlich Emirates auf. Da wir mit einer saftigen Entschaedigung unserer eigentlichen Fluglinie rechnen, ist unser neues Urlaubsmotto, wenn wir uns was extra goennen: "Das bezahlt ja Emirates!" ;-) Naja, Anfang schlecht, alles gut, jetzt hat der Urlaub wirklich begonnen...

Vom Flughafen haben wir uns zu Vientane's Busstation bringen lassen und dort Tickets fuer einen Local Bus gekauft. Endlich wieder in Asien! Das bunte Markttreiben um die Busstation, der Staub und die Gerueche haben uns gleich wieder wie zuhause fuehlen lassen. Auch den ranzigen, engen und unbequemen Bus haben wir mit einem Schulterzucken genommen, da wir das ja schon aus 2004 kannten. Weitere 5-6 Stunden spaeter waren wir schliesslich voellig uebermuedet in Vang Vieng, wo wir eigentlich hinwollten.

Seitenanfang


Outdoor-Fun in Vang Vieng
(06.01.-12.01.2006)

[zur Fotogalerie]

Karstberge am Nam Xong
Karstberge am Nam Xong
Vang Vieng ist ein kleines Nest 4 Busstunden noerdlich von Vientane, das an einem wunderschoenen Fluss in einer grandiosen Karstlandschaft liegt, die an Tuschezeichnungen suedchinesischer Gebirge erinnert. Wegen seiner ausufernden Backpackerszene hat der Ort teilweise einen recht schlechten Ruf. Auf der Hauptstrasse des Dorfes reiht sich ein Traveller-FastFood-Lokal an das andere, in jedem laufen droehnend laute Fernseher und jeder Sitzplatz ist auf den Fernseher ausgerichtet. Das Flussufer ist im noerdlichen Teil uebersaet von Bars, die sich jeden Abend mit ihrer Musik zu uebertoenen versuchen. Auf der anderen Seite kann man dem Rummel gut entkommen, tolle Outdoor-Aktivitaeten starten und einfach die wundervolle Landschaft geniessen. Nach einigen vollen Guesthouses haben wir schliesslich im Sueden mit "Les Jardins" eine paradiesische Unterkunft am Fluss mit direktem Blick auf die tollen Karstberge gefunden. Die Szenen am Fluss sind sehr idyllisch: Die Einheimischen waschen sich darin, suchen mit Koerben Algen oder aehnliches und sehr seltsam aussehende einachsige Traktoren bringen die Menschen von einem Ufer zum anderen, wobei sie regelmaessig in der tieferen Flussmitte steckenbleiben und die Maenner dann schieben muessen (da sie dann sowieso immer nass sind, haben wir uns schon gefragt, warum sie den Fluss nicht gleich durchwaten :).

In der darauffolgenden Nacht haben wir von 10h abends bis 12h mittags geschlafen, und danach ging es uns deutlich besser. Nachdem wir diesen Tag komplett vergammelt haben, haben wir uns abends noch mit einem Beer Lao auf Flechtmatten einer freakigen "Liege-Bar" mit einem wunderbaren Sonnenuntergang vor der Karstkulisse belohnt.

Buddha in Tam Phoukam
Buddha in Tam Phoukam
Am nächsten Morgen haben wir uns dann Mountainbikes geliehen und eine 40km lange Fahrradtour in einzigartiger Landschaft in Westen Vang Viengs gemacht. Immer wieder ragen neben einem schroffe Karstfelsen hunderte von Metern in den Himmel, die sich mit dschungeligen Abschnitten und einfachen Holzhuettendoerfern abwechseln. Am Strassenrand winkende und 'Sabaidee'-rufende Kinder, Kuhherden, Schweine- und Huehnerfamilien auf der Strasse, und ab und an ein Wasserbueffel (einer ist panisch aus seinem Gatter ausgebrochen und auf die Strasse gerannt, als Tanja vorbeifuhr...). Nach 10km ueber abenteuerliche Holz- und Bambusbruecken-Konstruktionen (hier muss fuer jede Ueberquerung Brueckenzoll gezahlt werden, da die Bruecken wohl nicht vom Staat errichtet werden) und Sand- und Steinpisten sind wir an einer Hoehle angekommen. Nach einiger Kletterei ueber einen extrem steilen 'Weg' mit scharfkantigen Felsen haben wir die Hoehle Tam Phoukam ereicht, die sich mit einer gewaltigen Halle in den Berg oeffnet. Ein goldener liegender Buddha gibt dem ganzen noch einen Hauch von Tempelatmosphaere. Von einem kleinen Jungen mit Stirnlampe haben wir uns tief in das Innere der Hoehle fuehren lassen, wobei Reifenpanne
Reifenpanne
wir immer wieder tolle Stalaktiten und Stalagmiten passiert haben. Der Weg war sehr rutschig und gefaehrlich, aber wir haben alles gut ueberstanden. Nach dem Abstieg konnte man sich ueber ein Seil in einen tuerkisgruenen Fluss schwingen lassen, was fuer viele eine willkommene Abkuehlung war. Nach der Haelfte des Weges kam die unvermeidliche Reifenpanne (irgendwie passiert mir das immer in Asien :), was nach etwas Schieben zu intensivem Kontakt mit den Bewohnern des nahegelegenen Dorfes Phonxay gefuehrt hat. Nachdem wir uns mit Haenden und Fuessen verstaendlich gemacht hatten, wurde der Reifen mit praehistorischen Werkzeugen und Methoden geflickt und hat dann auch tatsaechlich gehalten. Zum Abschied wurden wir von den Maennern des Dorfes noch zu einem selbstgebrannten Reiswhisky (LaoLao) eingeladen, der gar nicht so schlimm war wie befuerchtet (die Einheimischen spucken ihn immer gleich wieder aus!?). Schliesslich haben wir es gerade noch vor Einbruch der Dunkelheit nach Hause geschafft.

Auf dem Weg zur Python Cave
Auf dem Weg zur Python Cave
Zwei Kanadier, die wir schon im Bus nach Vang Vieng getroffen hatten, haben uns abends von einer tollen Hoehle namens "Python Cave" erzaehlt, die noch in keiner Karte und keinem Fuehrer verzeichnet war, und die sie zufaellig gefunden hatten. Da wir auf der Fahrradtour ein handgemaltes Hinweisschild zur Hoehle entdeckt haben (zwischen den Doerfern Phonxang und Napo), haben wir uns am naechsten Tag kurzentschlossen ein Moped geliehen, und sind dorthin gefahren. Mit dem nicht gelaendetauglichen Moped ueber holprige Sand- und Staubpisten, die wackligen Brueckenkonstruktionen und durch Flussfurten zu fahren, war dann wieder sehr abenteuerlich. "Diamanten" in der Finsternis
"Diamanten" in der Finsternis
Schliesslich haben wir die Python Cave gefunden und der freundliche Grundpaechter, der vor der Hoehle mit seiner Familie lebt, hat uns erzaehlt, dass die Hoehle erst vor wenigen Monaten durch ihn entdeckt wurde und erst seit 4 Wochen zugaenglich gemacht wurde. Ein Junge hat uns durch einen engen Eingangsschlund schliesslich ueber eine Stunde in die Tiefe gefuehrt. Diese Tour hat sich dann aber absolut gelohnt: die beeindruckende lange Hoehle, die sich noch weit tiefer als Tam Phoukam in den Fels gebohrt hat, ueberrascht immer wieder mit bizarren, fast organischen Felsformationen, die stellenweise an Gemaelde von H. R. Giger (Alien) erinnern. Und zu allem Ueberfluss glitzern die Tropfsteine und Felsen an vielen Stellen wie Diamanten. Nach genaurer Untersuchung vermuteten wir Quarz als Ursache des Phaenomens.

Wegen der stressigen Anreise und weil es uns hier sehr gut gefaellt - diese Kombination aus relaxter Atmosphaere und toller Landschaft - haben wir uns spontan entschieden, noch ein paar Tage dranzuhaengen. Schliesslich duerfen wir und das Tubing in einem LKW-Schlauch auf dem Nam Xong nicht entgehen lassen! Um uns das zu verdienen, machen wir aber vorher noch eine Kajak und Caving-Tour in der Umgebung...


Paddeln im Akkord
Paddeln im Akkord
Diese "Vang Vieng Experience" genannte Tour mit dem lokalen Eco-Tourveranstalter Green Discovery hat uns einen wunderschoenen Tag beschert. Nach einer kurzen Einweisung durch den Guide sind wir einige Kilometer noerdlich von Vang Vieng in See gestochen und hatten erst einmal ziemlich mit der Navigation zu kaempfen (reagiert irgendwie nie so wie es soll, so ein Kajak ;-). Nach dem wir in der ersten Stromschnelle zielsicher auf dem einzigen Felsen in der ganzen Kurve gestrandet sind, haben wir unsere Navigationsfaehigkeiten schrittweise verbessert. Der Fluss fuehrt durch wunderbare Landschaft in der einzigartigen Karstkulisse, vorbei an einfachen Fischern, waeschewaschenden Frauen und einer im Wasser Abkuehlung suchenden Wasserbueffelherde. Nach einiger Zeit haben wir unseren Das Wasser steht (fast ;-) bis zum Hals
Das Wasser steht (fast ;-) bis zum Hals
ersten Stop gemacht und eine Mini-Trekkingtour ueber einen Karstfelsen gemacht. Von der Rueckseite aus ging's dann in die Hoehle Tham Nam Thaem, die an sich nicht wirklich spektakulaer ist, aber die von der Einheimischen mit Fackeln als Transportweg durch den Fels genutzt wird. Danach gab's gegrillte Spiesse mit Reis aus einem Bananenblatt zum Lunch. Koestlich! Die weitere Kajaktour fuehrte uns bei der naechsten groesseren Stromschnelle wieder geradewegs ins Strauchwerk der Uferboeschung, aber als wir uns dort wieder von Felsen und Baeumen befreit hatten, bekamen wir die Steuerung aber langsam in den Griff. Nach diesen Naturerlebnissen kamen wir langsam in den Partyzone-Umkreis von Vang Vieng. Der naechste Stop war eine "Water Jumping"-Bar, eine Bambus-Liegewiese mit droehnend lauter Musik, an der man nach Verkoestigung eines Getraenkes von einer 10-15 Meter hohen Baum-/Holz-/Bambusplattform an einem Schwingseil oder einer Seilbahn in die Tiefe stuerzen konnte, um dann schliesslich aus frei waehlbarer Hoehe in den Fluss zu springen. Nach leichten anfaenglichen Bedenken dann doch eine Riesengaudi! Kurz darauf haben wir die "Schlafhoehle" Tham None erreicht, in der im 2. Indochinakrieg ueber laengere Zeit ueber 2000 Menschen Unterschlupf gefunden haben. Ehemalige Kochstellen und Gruben fuer Wertsachen und Toiletten zeugen aus dieser Zeit. Ein seltsamer Kontrast, die Erinnerung an die lange Leidenszeit der Bevoelkerung des geschundenen Landes, das bis vor 30 Jahren immer wieder von allen Seiten bedraengt und angegriffen wurde, kurz nach droehnenden Boxentuermen mit brechend lauter Partymusik... Die Hoehle selbst war zwar weniger exotisch als unsere bisherigen Hoehlentouren, dafuer aber umso abenteuerlicher zu erforschen. Den Einstieg erreicht man nur durch huefthohes Wasser watend, und ohne diverse Kletteraktionen, bei der denen man jeden Schritt genau vorplanen musste, ging's nicht weiter. Abends merkte ich dann, dass mein Koerper wohl nicht fuers Kajaking gebaut ist, da ich Stellen spuerte, deren Existenz mir bislang unbekannt waren. ;-) Nichtsdestotrotz haben wir uns an diesem Abend nach leckerem Essen im abseits der Hauptstrasse gelegen "End of the World Cafe" noch etwas Spass bei netter elektronischer Musik in einem verwunschenen Garten (einer psychedelisch eingerichteten Open-Air-Bar) auf Vang Vieng's Insel gegoennt.

Tubing auf dem Nam Xong
Tubing auf dem Nam Xong
Water Jump Tower
Water Jump Tower

Am naechsten Tag haben wir uns beim legendaeren Tubing auf dem Fluss Nam Xong entspannt: man laesst sich stundenlang mit (oder ohne) einem Beer Lao an Bord :) auf riesigen LKW-Schlaeuchen ueber den Fluss treiben, und wird auf Wunsch immer wieder von diversen "Tubing-Tankstellen" am Ufer an Land gezogen, bei denen man neben Getraenke-Nachschub die verschiedensten "Water Jumping"-Varianten ausprobieren kann. An einem weniger hohen Teil hat's dann auch Tanja gewagt und Gefallen daran gefunden. Insgesamt ist das Tubing ein Riesenspass, bei dem man wunderbar entspannen kann - mit dem wahren Laos hat das Ganze allerdings herzlich wenig zu tun...
video [Video: Water Jumping in Vang Vieng (AVI 3,50 MB)]

Am Mekong in Luang Prabang
Am Mekong in Luang Prabang
Nach diesem skurrilen Abschlusstag in Vang Vieng sind wir am Folgetag durch grandiose Karst- und Berglandschaften per Bus von Vang Vieng nach Luang Prabang gefahren. Dort haben wir erst einmal Blut und Wasser geschwitzt, da wir zwei Tage zuvor im 6 Busstunden entfernten Vang Vieng unsere Paesse im Guesthouse zur Visaverlaengerung in der Haupstadt Vientane abgegeben hatten und wir diese vor der Abreise in Vang Vieng nicht zurueckbekommen hatten - irgendwas war schiefgelaufen. Die Guesthouse-Besitzerin hat uns aber morgens versichert, dass sie die Paesse per Flugzeug von Vientane nach Luang Prabang bringen lassen wuerde, wo wir sie in einem kleinen Laden abholen sollten. Die Entscheidung, ohne unsere Paesse weiter zu reisen fiel uns sehr schwer, aber aufgrund unserer begrenzten Reisezeit in Laos haben wir wieder einmal dem Schicksal vertraut. Und siehe da, abends haben wir in Luang Prabang dann tatsaechlich unsere Passe ausgehaendigt bekommen! Naja, Ende gut, alles gut - irgendwie funktioniert dann doch immer wieder alles in Asien... :)

An unserem einzigen Abend in Luang Prabang, das wir ja schon vor 2 Jahren lieben gelernt hatten, haben wir nochmal einen schoenen Sonnenuntergang am Mekong erlebt (ein kleines Deja Vu fuer uns), bevor wir unsere Reise per Slow Boat den Nam Ou Fluss stromaufwaerts gen Nord-Laos begonnen haben.

Seitenanfang | galerie Fotogalerie 1


Von Luang Prabang stromaufwaerts auf dem Nam Ou
(13.01.-15.01.2006)

[zur Fotogalerie]

Das Boot nach Nong Khiaew
Das Boot nach Nong Khiaew
Der erste Abschnitt der Bootsreise fuehrte uns von Luang Prabang nach Nong Khiaew (Nong Khiao), und obwohl man uns sagte, dass nur 12 Personen auf's Boot kommen, wurde es mit 16 Leuten vollgestopft. Das resultierte in minimaler Beinfreiheit, was zusammen mit den kleinen niedrigen Holzschemeln, auf denen man sitzt, bei der 8-stuendigen Fahrt am Ende zu einer kleinen Tortur wurde. Die sehr schoene Fahrt selbst hat dafuer aber vollkommen entschaedigt. Zuerst ging es ein kleines Stueck den Mekong hinauf (waehrend hier die gemeingefaehrlichen Speedboats mit behelmten Passgieren an uns vorbei rauschten), bis wir an der Flussmuendung des Nam Ou dann stromaufwaerts auf diesen abgebogen sind. Auf dem Nam Ou ging es dann viel ruhiger zu, und die Fahrt fuehrte uns durch schoene Berglandschaften vorbei am idyllischen Leben am Fluss. Immer wieder Fischerboote, Wasserbueffelherden am Ufer, kleine Huettendoerfer, winkende und rufende Kinder, Gemuesegaerten an der Uferboeschung und sich im Fluss waschende Menschen. Ab und an ging's durch ein paar Stromschnellen, was manchmal in dem kleinen und niedrigen Boot ziemlich nass wurde. Da der Nam Ou in der Abends in Nong Khiaew
Abends in Nong Khiaew
Trockenzeit wenig Wasser fuehrt, mussten wir einmal aussteigen und 15 Minuten am Ufer laufen, da das vollbeladene Boot sonst nicht durch die Felsen gekommen waere. Nach einigen Stunden tauchten dann die ersten schroffen Karstfelsen auf, die uns ankuendigten, dass wir uns unserem Ziel naehern. Nach 8 Stunden haben wir dann Nong Khiaew erreicht und uns entschieden, fuer eine Nacht dort zu bleiben, da wir wirklich nicht mehr sitzen konnten und deshalb eine weitere Stunde nach Muang Ngoi Neua nicht mehr ausgehalten haetten. Das kleine Dorf Nong Khiaw, das nur sehr rudimentaere Unterkuenfte bietet, liegt in fantastischer Karstlandschaft, und von der wunderschoenen Aussichtsterrasse unseres Guesthouses konnten wir ein tollen Sonnenuntergang ueber dem Nam Ou geniessen. Hier haben wir den Englaender George kennengelernt, mit dem wir so einen witzigen Abend bei Unmengen Beer Lao verbracht haben, dass wir am naechsten Tag zusammen weitergereist sind. Hier war es zum ersten Mal nachts bitter kalt, eine Erfahrung, die wir ab jetzt in Nord-Laos immer oefter machen sollten: Heisse Tage und teilweise empfindlich kalte Naechte...

Am naechsten Morgen lag das ganze Dorf und die Karstberge in dichtem Nebel, der sich zaeh ueber dem Fluss hielt und das Ganze mit einer mystischen Atmospaere versah. Wir wollten dann eigentlich nur kurz in das naechste Dorf eine Stunde flussaufwaerts fahren, mussten uns aber erst noch in der ersten Tugend fuer Laos-Reisende (das Land, in dem alles gaaaaanz langsam geht) ueben: Warten. Nach eineinhalb Stunden waren dann endlich genug Leute fuer ein Boot gefunden, und bis dahin konnte wir das bunte Treiben am Bootsanleger beobachten. Das Highlight war ein alter Moench in der ueblichen orangefarbene Kutte, aber zusaetzlich mit Schirm und safranfarbener Strick-Pudelmuetze - ein Bild fuer Goetter! Nach einer Stunde Bootsfahrt haben wir schliesslich Muang Ngoi Neua erreicht, das in einer nicht weniger atemberaubenden Karstkulisse liegt. Die Besonderheit dieses Fleckchens ist, dass es nur per Boot erreicht werden kann, was so etwas wie Insel-Feeling hervorruft. Insgesamt ein wunderbar entspannter und angenehmer Ort, in dem man nur durch die omnipraesenten Streubombenhuellen aus der Traeumerei gerissen wird.

Ist das Boot schon voll?
Ist das Boot schon voll?
Stromschnellen auf dem Nam Ou
Stromschnellen auf dem Nam Ou

Laos haelt ja aus dem zweiten Indochina-Krieg den traurigen Rekord, auf seine Flaeche bezogen das meistbombardierteste Land der Erde zu sein. Im sogenannten "Geheimen Krieg" haben die Amerikaner seit 1964 zuerst gezielt, dann flaechendeckend dieses arme Land bombardiert (bewusst auch zivile Ziele wie Bergdoerfer, unter anderem, um die vietnamesischen Truppen von Verpflegung und Unterkunft abzuschneiden). Erst 1970 haben sie dann ueberhaupt eingestanden, in dieser Region Krieg zu fuehren, in einem Land, von dem niemals selbst eine Aggresion ausging (siehe auch Sued-Laos und Kambodscha in meinem Reisebericht von 2004). Heute werden die Traegerbombenhuelsen, die frueher hundertfach todbringende kleine Splitterbomben enthielten, von den Einheimischen als Baumaterial, fuer Schilder und fuer andere Zwecke eingesetzt.

Mittags bin ich dann mit George auf eine kleine Trekking-Tour gegangen, waehrend Tanja sich in der Haengematte ausgeruht hat. Nach einiger Zeit haben wir einen Hoehleneingang erreicht, der von einem in die Hoehle reichenden Wasser-Pool durch Sonnenreflektionen mit tanzenden glitzernden Strukturen ueberzogen wurde. Aus der grossen Eingangshalle der Hoehle hoerten wir wunderschoene Floetentoene, die durch den Hall der Hoelenwaende noch verstaerkt wurden und mich wie in "Herr der Ringe" fuehlen liessen. Bei einer kurzen Hoehlenerkundung haben wir dann einen aelteren Franzosen mit langen weissen Haaren gefunden, der in der Hoehle Querfloete spielte. Nach einem kurzen Bad im Pool begegnete uns auf dem Weg ein Junge, der etwas Grosses auf dem Ruecken trug. Wir konnten es nicht glauben: es war eine der riesigen Bombenhaelften! Was fuer ein bizarrer Anblick in dieser friedlchen Landschaft... Eine weitere Stunde spaeter, vorbei an Reisfeldern und Karstkegeln haben wir dann ein einfaches Dorf erreicht, in dem eine Bombenhuelle auf Bambusrohren als Kraeutergarten verwendet wurde. Hier konnte ich mich prächtig amüsieren, als George sich ein spitzes Streitgespräch mit einem Nordeuropäer lieferte, der seit Monaten in dem Dorf wohnte und sich ein wenig wie der weise Haeuptling fuehlte (George: "This sounds pretty much like a Frank Zappa song" ;-). Der anschliessende Abend im Phetdavan Guesthouse mit George, 3 Italienern und Van, der 19-jaehrigen extrem witzigen Mitbetreiberin des Guesthouses, war der lustigste Abend unserer bisherigen Reise. Schweren Herzen haben wir uns am naechsten Morgen verabschiedet, da wir wegen eines geplanten Trekking-Termins, der nicht allzu oft angeboten wird, etwas unter Zeitdruck waren. Ach, wie gerne waeren wir noch in Muang Ngoi Neua geblieben, da es uns hier aussergewoehnlich gut gefallen hat...

Muang Khoua
Muang Khoua
Fuer den naechsten Abschnitt unserer Reise stromaufwaerts mussten wir uns gemeinsam mit 3 anderen Leuten ein ganzes Boot chartern. Die -wie wir gelesen hatten- einzigartige Kulisse der ersten 2 Stunden der Fahrt blieb uns aber wegen dichtem Nebel komplett verwehrt. Auf der anderen Seite erzeugte der Nebel ueber den von dichtem Dschungel bewachsenen Ufern eine sehr spezielle, gleichzeitig unheimliche und friedvolle Atmosphaere. Nach 5 Stunden mit aehnlich schoenen Eindruecken wie am ersten Bootstag haben wir in Muang Khoua, das nur 50 km von der vietnamesischen und etwa 100 km von der chinesischen Grenze entfernt liegt, schliesslich den Endpunkt unserer ersten Bootsreise erreicht. Hier sind wir direkt vom Ufer zu unserem Guesthouse gelaufen, das 15-20 Meter ueber dem Strand thronte. Der Aufstieg mit vollem Gepaeck ueber extrem steile, wacklige und baufaellige Holzlattenstiegen war lebensgefaehrlich! Nach einem kurzen Drink auf der Aussichtsteresse des Guesthouses haben wir Muang Khoua erforscht. Die Ort selbst bietet wenig Spektakulaeres, aber ueber eine imposante Haengebruecke, die im zweiten Indochinakrieg mit von den Vietnamesen erbaut wurde, erreichten wir ein Khmu-Dorf. Der Gang ueber die schwingende und aechzende Bruecke mit niedrigen Drahtseilgelaendern, die in ca. 50 Meter Hoehe den Fluss Nam Phak ueberspannt, war ein echtes Abenteuer (insbesondere, wenn gleichzeitig noch mehrere Mopeds darueber fuhren), und es bedurfte einiger Ueberredungskunst, Tanja zum Gang auf die andere Seite zu bewegen (Respekt, dass sie es trotz ausgepraegter Hoehenangst gewagt hat!).

Seitenanfang | galerie Fotogalerie 2


Von Muang Khoua nach Luang Nahmtha
(16.01.-17.01.2006)

[zur Fotogalerie]

Auf dem Weg nach Luang Nahmtha
Auf dem Weg nach Luang Nahmtha
Wieder einen Tag spaeter sind wir per Bus Richtung Westen aufgebrochen. Schon nach wenigen Minuten sahen wir einen kleinen Truck, der durch ein Brueckengelaender in ein kleines Flusstal gestuerzt war. Ein seltsames Prozedere: unser Bus (in dem wir die einzigen Auslaender waren) haelt an, alle Laoten springen raus, gaffen eine Minute, kommen im Gaensemarsch wieder rein, und der Bus faehrt weiter. Auf der bergigen Strecke fingen dann nach kurzer Zeit die ersten Einheimischen an, sich zu uebergeben, was sich wie eine Epidemie ausbreitete. Unsere MP3-Player konnten uns zwar vor den Geraeuschen, aber leider nicht vor den Geruechen schuetzen. :) Nach unserer Ankunft in Oudomxai war wie ueblich wieder Warten angesagt, aber nach zweieinhalb Stunden waren dann auch genug Menschen gefunden, um den naechsten Anschluss-Bus nach Luang Namtha komplett zu ueberfuellen. Gottseidank konnten wir einen Sitzplatz (wenn auch in Zwergen-Sitzgroesse) ergattern, und mussten nicht auf Reissaecken oder gebratenem Fleisch in Koerben sitzen. Die folgende Strecke war die schlechsteste, die wir bisher Wasserbüffel und Reisfelder
Wasserbüffel und Reisfelder
in Laos erlebt hatten - ueberall Schlagloecher und soviel Staub, dass wir uns an Kambodscha erinnert fuehlten und uns zum Atmen etwas vor Mund und Nase halten mussten. Da es hier kein Kotztueten gab, haben die Eltern ihre Kinder senkrecht aus dem Fenster gehalten, damit diese ihren Mageninhalt loswerden konnten. Da sie nicht nicht immer schnell genug waren, gab's huebsche Muster auf den Busscheiben... Sic! Vor Luang Namtha haben wir vom Bus aus einen der tollsten Sonnenuntergaenge unseres Lebens gesehen: Glutroter Himmel ueber bewaesserten Reisfelder von sanfter Bergkulisse... Durch den spaeten Anschluss in Oudomxai sind wir dann erst bei Dunkelheit in Luang Namtha angekommen, und haben zuerst kein Guesthouse gefunden. Ein nette Familie eines vollen Guesthouses hat uns dann aber ob der Verzweiflung in unseren Gesichtern erst einmal Tee und Pommes angeboten, und nach einigem Suchen haben wir doch noch eine Unterkunft gefunden.

That Phoum Pouk
That Phoum Pouk
Am naechsten Tag hatten wir Einiges zu organisieren (Trekking, Bootcharter fuer die Weiterreise usw.) und haben anschliessend eine Mountainbike-Tour rund um Luang Namtha gemacht. Bei der ersten Station, einem goldenen Stupa auf einem Huegel (als Ersatz fuer die Truemmer eines stuckverzierten alten Stupa, der im zweiten Indochinakrieg gleich zweimal von einer Bombe getroffen wurde), haben wir einge Kinder getroffen, denen wir grosse Freude mit Luftballons und vor allem mit unseren Bildern aus unserer Mini-Polaroid-Kamera machen konnten. Anschliessend ging's durch diverse Doerfer, in denen die freundlichen Menschen sich riesig gefreut haben, wenn man vorbeifuhr und laotisch mit "Sabaidee" gegruesst hat. Nach einer kleinen Odyssee auf einer riesigen Staubpiste in die falsche Richtung haben wir schliesslich - dick eingestaubt von den vielen Trucks - wieder den richtigen Weg gefunden. Durch die Verspaetung kamen wir dann auch per Fahrrad in der Genuss des fantastischen Sonnenuntergangs ueber den idyllischen Reisfeldern.

Seitenanfang | galerie Fotogalerie 3


Forest Camp: Trekking im Nam Ha NPA
(18.01.-20.01.2006)

[zur Fotogalerie]

Auf in den Dschungel
Auf in den Dschungel
Tags drauf haben wir dann gemeinsam mit drei Israelis und zwei Guides von Green Discovery unsere 3-taegige, "Forest Camp" genannte Trekking-Tour durch den Nam Ha NPA (Nationalpark/Naturschutzgebiet) gestartet. Erste Station war das Khmu-Dorf Ban Don Say, wo erst einmal von unseren Guides Nahrung gekauft und unter grossen Aufruhr eine Ente gefangen wurde. Als wir das gesehen haben, haben wir wieder schwer darueber nachgedacht, doch Vegetarier zu werden. Die ersten Trekking-Kilometer fuehrten uns durch dichten Dschungel, bis wir schliesslich an einem Bach zum Lunchbreak anhielten. Auf riesigen Bananenblattern wurde das Essen seviert, das mit "Sticky Rice"-Baellchen mit den Fingern gegessen wurde. Nach weiteren zwei Stunden durch abwechselnde Nam Ha National Protected Area
Nam Ha National Protected Area
Sekundaerurwaldgebiete und Bambushaine haben wir -leider schon am fruehen Nachmittag und viel zu frueh am Tag- zwei kleine Schilf- und Bambushuetten, unsere Unterkunft mitten im Dschungel, erreicht. Waehrend Tanja und ich noch die Gegend erforscht haben, haben die Guides und 2 Khmu-Maenner das Abendessen zubereitet. Hierzu wurde sehr gewoehnungsbeduerftige "Duck Soup" mit Knochen und Innereien in 2 grossen Bambusrohren lange ueber dem Feuer gekocht. Die Suppe enthielt ausserdem Rattan als Gemuese - bisher kannten wir das nur zur Moebelherstellung, aber nicht zum Essen. Aber das Innere der Rattan-Flechten kann sogar auch roh gegessen werden, schmeckt gar nicht schlecht. Nach einem netten Kartenspiel bei Kerzenschein mit den Israelis gings dann um halb zehn ins Bett. Leider wurden die wunderbaren Urwaldgeraeusche um uns herum immer wieder vom Schnarchen unseres Guides uebertoent. ;) Die Nacht hat uns dann vor unsere haerteste Kaelteprobe gestellt: nur ausgeruestet mit einem duennen Schlafsack und einer leichten Decke, wurde es wirklich saukalt (geschaetzte Kuehlschranktemperatur). Gottseidank hatten wir lange Unterwaesche und Fleece-Pullis mitgeschleppt, sonst waere wohl an Schlaf nicht zu denken gewesen.

Gegrillter Frosch zum Frühstück
Gegrillter Frosch zum Frühstück
Der zweite Tag begann mit einem aussergewoehnlichen Fruehstueck: neben dem ueblichen Sticky Rice (zu allen Tageszeiten, diesmal mit Eiern) und der omnipraesenten gut scharfen Chilipaste ("the king of Lao table") gabs gegrillten Frosch. Aussergewoehnlicher Start in der Tag... Beim weiteren Trekking haben wir viele Voegel, tolle bunte Schmetterlinge und ungewoehnliche trichterfoermige Spinnennetze gesehen, in denen regelmaessig die Spinne am Trichterende lauerte. Zum Lunch wurden dann die besseren Stuecke der Ente ueber dem Feuer gegrillt, und neben Rattan gab's Bananenblueten (schmeckt so aehnlich wie Artischocken) und exotische stielartige Blumen. Erstaunlich, was man alles Essen kann, und wie alles nur mit natuerlichen Mitteln zubereitet werden kann. Lunch auf Bananenblättern
Lunch auf Bananenblättern
Nachmittags haben wir dann wie die Bergdorfbewohner im Fluss gebadet und uns gewaschen, um spaeter das Akha-Dorf, in dem wir die naechste Nacht verbringen sollten, sauber und ordentlich zu erreichen (ein Zeichen von Respekt). Hierbei wurde jeder Handgriff, das Waschen und das Umziehen unter Sarongs gebannt von 2 kleinen Akha-Maedchen beobachtet, die sich anschliessend mit ihren grosen Flechtkoerben, die ueber ein Band am Kopf und einer Art Schulter-Halfter aus Holz auf dem Ruecken getragen werden, in unseren Trek eingereiht haben. Kurz vor dem Dorf sind sie dann vorausgerannt, um den Besuch anzukuendigen. Nach dem Durchschreiten eines mystischen Tores, das dem animistischen Glauben der Bergvoelker entsprechend die boesen Geister aus dem Dorf fernhalten soll, lag das 226-Seelen-Dorf Ban Nammat Mai mit seinen einfachen Huetten an einen staubigen Berghang schliesslich vor uns. Ueberall Schweine, Huehner, Hunde und spielende Kinder!
video [Video: Schwenk über das Akha-Dorf (AVI 4,45 MB)]
video [Video: Dorfjugend beim Sepak Takraw Spiel (AVI 3,03 MB)]

Die Akha sind ein Volksstamm tibeto-burmesischen Ursprungs, der im 16. und 17. Jh. aus der tibetischen Hochebene eingewandert sind. Sie leben sehr zurueckgezogen in Bergdoerfern und haben animistischen Glauben, nach dem auch heute noch Tieropfer gebracht werden. Die Akha sind poligam, aber nur noch wenige Maenner koennen sich aus Armut mehr als eine Frau "leisten". Die Frauen tragen ihr gesamtes Vermoegen in Form von Silberstuecken (oder heutzutage Muenzen) auf einem praechtigen Kopfgeschmeide. Angeblich legen sie dieses nicht einmal zum Schlafen ab.

Im Akha-Dorf
Im Akha-Dorf
Abendessen mit dem Vize-Häuptling
Abendessen mit dem Vize-Häuptling (Mitte)

Wir wurden in der Gaestehuette auf dem Huegel untergebracht, unter deren Stelzen sich Schweine und Huehner tollten. Bei einem kurzen Spaziergang ins Dorf winkte uns noch ein verletztes Maedchen herbei, dem wir dann versucht haben, so gut es ging zu helfen und den zerschnittenen und entzuendeten Fuss zu verarzten. Abends wurde ein festliches Mahl bereitet, an dem der Vize-Haeuptling und 2 weitere Akha-Maenner teilnahmen. Der Tradition entsprechend musste vor dem Essen noch ein komplette Flasche Akha-Schnaps, der in der Flasche mit grossen Pflanzenstuecken versehen war, in der Runde reihum getrunken werden. Anschliessend kamen wir in den Genuss einer traditionellen Massage durch junge Akha-Maedchen, die den Gebraeuchen entsprechend jedem Besucher zuteil wird, der den langem Weg ins Dorf auf sich genommen hat. Im Kerzenschein bei flackerndem Licht, waehrend draussen vor der Huette ein kleines Dorffest abgehalten wurde, war dies eine sehr aussergewoehnliche Erfahrung.

Chicken Barbecue
Chicken Barbecue
Den letzten Trekking-Tag starteten wir mit einem Akha-Mann, der verschiedenste Vogelstimmen imitieren konnte und uns Voegel rufen wollte. Leider konnten die Israelis niemals ihren Mund halten, so dass das nicht geklappt hat. Erst auf eigener Erkundungstour in der Mittagspause gelang es uns einige Voegel zu sehen. Beim Mittagessen wurde uns die letzte neue Erfahrung zuteil, als wir aus Bambusrohren nicht nur Loeffel geschnitzt bekamen, sondern auch Bambus assen. Drei Akha-Frauen, die an unserem Rastplatz am Fluss vorbeikamen, haben sich gefreut, die Reste verputzen zu koennen. Am Ende des Treks gingen wir am Fluss nochmal auf Schmetterlingsjagd (mit der Kamera), bevor wir in einem Thai Dam-Dorf den Endpunkt der Tour erreicht haben.

Nach diesen spannenden, aber auch archaischen Tagen haben wir uns an diesem Abend mit dem Boat Landing Guesthouse, das als eines der 4 besten laotischen Restaurants genannt wird, eine Luxusunterkunft am Nam Ta gegoennt. Auf diesem Fluss fahren wir morgen in einer 2-taegigen Bootstour (fuer die wir eigens zu zweit ein Boot chartern mussten) nach Houay Xai, von wo aus wir die Grenze nach Thailand ueberqueren wollen.

Seitenanfang | galerie Fotogalerie 4


Bootstour auf dem Nam Tha nach Houay Xai
(21.01.-22.01.06)

[zur Fotogalerie]

Zwei Tage auf dem Longtailboat
Zwei Tage auf dem Longtailboat
Unsere letzten Tage in Laos haben wir in Form eines 2-taegigen Slowboat-Trips von Luang Namtha nach Houay Xai verbracht. Eigentlich hatten wir gehofft, dass sich waehrend unserer Trekking-Tour noch andere Leute fuer das seltene Boot (das wir schon mehrere Tage zuvor beim Boat Landing Guesthouse extra gechartert hatten) anmelden wuerden, aber dem war nicht so, so dass wir die erheblichen Kosten (136 USD!) zu zweit tragen mussten. Aber dadurch hatten wir das Boot immerhin fuer uns und genug Platz für unsere Beine. In dem offenen Longtailboat, einer maximal 1 Meter breiten, aber ca. 10 Meter langen und niedrigen Nussschale ohne Sitze, sind wir dann den Fluss Nam Tha stromabwaerts bis zum Mekong gefahren. Das Boot wurde vom Kapitaen am Motor und 2 Bootsjungen am Bug navigiert, wobei letztere mit Bambusstoecken und Paddeln zum Teil schwer arbeiten mussten, um das Boot auf dem Fluss (mit teilweise sehr niedrigem Wasserstand) durch Stromschnellen, Felsen und im Wasser wachsende Buesche hindurchzulenken. In ein paar brenzligen Situationen ist das Boot aufgesetzt, hat aber keinen Schaden genommen...

Der erste Tag fuehrte uns durch beeindruckende Dschungellandschaften, in denen wir am Morgen Unmengen bunter und exotischer Voegel gesehen haben. Darunter waren auch ein Bussard, verschiedene Reiherarten und viele Eisvoegel (Kingfisher) beim Fischen (im Sturzflug ins Wasser tauchend).

Am Oberlauf des Nam Tha
Am Oberlauf des Nam Tha
Wilde Landschaft am Fluß
Wilde Landschaft am Fluß

Der Fluss fuehrte uns vorbei an einfachen Huettendoerfern, Maennern, die mit ihren Fischernetzen brusthoch im Wasser standen, Frauen, die Seegras/Flussalgen zum Essen sammeln, den allgegenwaerigen Wasserbueffeln am Ufer und im Wasser, und natuerlich immerwieder Gruppen von kleinen Kindern, die uns begeistert zugewunken haben. Als in der Mittagspause die Bootsbesatzung zum Flussalgen Sammeln die Kleider ablegte und wir die muskuloesen, gutgebauten Koerper sahen, habe ich mir kurzzeitig ueberlegt, ob ich auf meine alten Tage nicht Bootsjunge in Laos werden sollte. ;-) Die Spaetnachmittagstunden, mit der tiefstehenden, tausendfach auf der Wasseroberflaeche reflektierenden Sonne, den wunderbaren Impressionen vor Augen und den warmen Klaengen von The Cure's "Disintegration" auf den Ohren, waren fuer mich eines der schoensten und tiefgehensten Erlebnisse der ganzen Reise...

In the middle of nowhere
In the middle of nowhere
Gegen 17h haben wir dann in Ban Kan Mon(?), einem kleinen Fischerdorf suedlich von Ban Nale, in dem die Bootsmannschaft zu Hause ist, angelegt. Hier, inmitten im Nirgendwo, waren weit und breit keine Auslaender und auch keinerlei wie auch immer geartete (touristische) Infrastruktur zu finden. Einer der Bootsjungen fuehrte uns -vorbei an Holzhuetten, Feuerstellen und Frauen, die unter den Haeusern an Webstuehlen arbeiteten- zur Huette seiner Familie, in der wir die Nacht verbringen sollten. Neben der Tatsache, dass an ernsthafte Kommunikation nicht zu denken war, da niemand Englisch sprach, war die Atmosphaere irgendwie seltsam und unangenehm. Von der sonst erfahrenen Offenheit und Gastfreundlichkeit der Laoten haben wir nur wenig gespuert, und wenn jemand kam, sollten wir immer irgendwas zu voellig ueberteuerten Preisen kaufen, was wir aber nicht wollten. Zuerst dachten wir, dass wir ohne irgendwas in der Kaelte auf dem Boden schlafen muessten, aber nach dem undefinierbaren Essen, Unmengen von abgrundtiefen Ruelpsern und ein paar Kommunkationsversuchen mit Woerterbuechern reichte man uns dann zu unserer grossen Erleichterung doch noch duenne Matrazen, Decken und ein Moskitonetz. Um 20:10h abends -vollkommen im laotischen Rhythmus, da es ja sowieso nirgendwo Strom gab- war dann Bettzeit angesagt (noch nie haben wir so dicht neben einer laotischen Grossfamilie genaechtigt). Wer mich kennt weiss, dass ich noch nie in meinem Leben so frueh ins Bett gegangen bin. :)

Apocalypse Now
Apocalypse Now
Aber auch diese nicht unbedingt angenehme Nacht haben wir ueberstanden, und frueh am naechsten Morgen -nach einer scharfen Chili-Nudelsuppe zum Fruehstueck- haben wir unseren Bootstrip fortgesetzt. Dichter Nebel lag ueber Fluss und Dschungel und tauchte das Ganze in eine tolle und wundersame Atmosphaehre, die stellenweise an die Bootsfahrt im Film "Apocalypse Now" erinnert hat. Am Ufer waren anfangs riesige Menschengruppen zu sehen, die wir beim Naeherkommen als Kinder identifizieren konnten, vielleicht um auf Der letzte Morgen in Laos
Der letzte Morgen in Laos
ein Boot zur Schule zu warten? Zum Lunch gab's dann Flussalgen, unbekannte Wurzeln und Sticky Rice. Nach aehnlich schoenen Eindruecken wie am ersten Tag, hier aber auch mit idyllischen Fischreusen im Fluss, erreichten wir nachmittags den grossen braunen Strom des Mekong. Einige Stunden flussaufwaerts sind wir schliesslich in Houay Xai angekommen, dem noerdlichsten laotischen Grenzposten zu Thailand. Gerade noch rechtzeitig haben wir im Sonnenuntergang die Grenze passiert und den Mekong nach Thailand ueberquert, wo wir gleich darauf mit einem Ueberlandtaxi nach Chiang Rai gefahren sind und dort nach anderthalb Stunden Fahrt ankamen.

Seitenanfang | galerie Fotogalerie 5


Thailand: Von Chiang Rai zur Andaman Sea
(23.01.-04.02.06)

[zur Fotogalerie]   [zur Fotogalerie Tauchsafari]

Goldene Pracht in Chiang Rai
Goldene Pracht in Chiang Rai
Chiang Rai habe ich das letzte Mal vor 15 Jahren (1991) gesehen, und ich habe es nicht wiedererkannt. Die einfache Kleinstadt von damals ist zur Touristenmeile mutiert, und nach den "very basic" Erfahrungen der letzten Woche im armen Nachbarland Laos hat uns ein kleiner Schock ereilt. Eine Stadt, die Reichtum ausstrahlt, so viele Autos, wie wir in ganz Laos nicht gesehen haben, riesige Doppeldecker-Luxusbusse, eine Bank neben der anderen, Toristenmassen (vor allem aeltere Leute und Rentner aus Europa, zum Teil im Abendkostuem), nur noch ueberteuerte Touristenlokale (Pizza-, Kaesebroetchen- usw. Schilder) und auf den ersten Blick kein richtiges "einheimisches" Lokal zu finden. Kulturschock! Um der bizarren Atmosphaere die Krone aufzusetzen, wurde zuletzt noch ein Elefant ueber die Hauptstrasse gefuehrt, den Tanja begeistert mit Wurzeln gefuettert und gestreichelt hat.

Unsere Hütte im &qout;Golden Bee&qout; auf Koh Chang
Unsere Hütte im "Golden Bee" auf Koh Chang
Per Flugzeug sind wir dann nach Bangkok weitergeflogen und haben einen Zwischenstopp in unserer zweiten Heimat, dem New Siam 1 Guesthouse in Banglampoo, eingelegt. Um Bangkok's Rush Hour zu vermeiden, haben wir uns auf den einstuendigen Fussmarsch zum Southern Bus Terminal gemacht (und dabei mal das "richtige" Bangkok am Abend gesehen), von wo aus es per Nachtbus nach Ranong weiterging. Von Ranong haben wir uns morgens dann per Boot nach Koh Chang (das "andere"/kleine Ko Chang an der thailaendischen Westkueste, unter der burmesischen Grenze) uebersetzen lassen.

Unser letztes Reiseziel, die kleine Insel Ko Chang, hat uns noch ein paar Tage angenehmen Strandlebens beschert, dass nur durch die staendigen Sandfliegen (Sandfloehe?) getruebt wurde (gibt boese Stiche, die sich immer gleich entzuenden). Ko Chang ist erfreulicherweise verschont geblieben vom Bau- und Pauschaltourismus-Boom, der die letzten 10 Jahre auf Thailands Inseln "gewuetet" und eine Trauminsel nach der anderen entstellt hat. Hier ist alles noch so, wie ich das vor 15 Jahren auf dem oestlichen, "grossen" Ko Chang kennengelernt hatte: lange Sandstraende, nur einfache Huettenunterkuenfte, keine Autos oder Strassen und Elekrizitaet nur von 18-22 Uhr. Nach unseren Abenteuern in Laos haben wir mal richtig die Seele baumeln lassen und ausser Gammeln, Schwimmen und Lesen nichts getan (drum kennen wir auch nur "unseren" Strand auf der Insel und sonst nichts :). In Strandrestaurant unseres netten Guesthouses "Golden Bee" haben wir dann noch Anne und Michael aus Reutlingen kennengelernt, mit denen wir die letzten schoenen Abende auf der Insel verbracht haben.

Abends ist was los...
Abends ist was los...
...Nachtleben auf der Insel
...Nachtleben auf der Insel

Gut erholt von vier Tagen Strandleben, ging's dann auf die "Flying Carpet", das Tauchboot von Aladdin Dive Cruise. Die Tauchsafari fuehrte uns durch die weit vom Festland entfernten Tauchparadiese der Andaman Sea (Richelieu Rock, Surin Islands und Similan Islands). Mit Mantas oder Walhaien hat's zwar diesmal nicht geklappt (wenn wir auch einen Manta nur um 5 Minuten verpasst haben...), aber wir hatten mit unseren netten Guides Balou und Heiko wunderschoene Tauchgaenge in toller Unterwasserlandschaft mit vielen anderen interessanten Meeresbewohnern (Leopardenhaie, Schildkroeten, Riffhaie, zum ersten Mal ein Seepferdchen, grosse Schwaerme riesiger Barrakudas, eine Schule ausgewachsener Bueffelkopf-Papageienfische usw. usw.). Auch mit der Besetzung des Bootes hatten wir grosses Glueck: Obwohl das Boot mit 17 Tauchern, 4 Guides und der Boots-Crew ziemlich ueberfuellt war, war ueber die ganze Zeit immer prima Stimmung an Bord, da alle Leute ziemlich auf der gleichen Wellenlaenge waren und wir so viel Spass hatten. Wegen Kompressorausfalls und Maschinenproblem kamen wir am letzten Tag zwar ziemlich chaotisch und viel zu spaet fuer unseren bereits gebuchten Nachtbus in Ranong an, aber wir hatten Glueck und sind mit tatkraeftiger Mithilfe von Balou doch noch nach Bangkok gekommen.
video [Video: Tauchen am Richelieu Rock (AVI 5,04 MB)] | galerie [zur Fotogalerie der Tauchsafari]

In Bangkok haben wir uns dann nochmal dem alljahrlichen Shopping-Rausch hingegeben (diesmal im Mah Boon Krong Shopping Center (MBK), einem der groessten Einkaufszentren der Stadt) und uns abends durch die Leckereien der Strassenstaende in Banglampoo "durchgefressen".

Heute nacht geht's dann zurueck in die Kaelte - hoffentlich hat sich das Klima in Deutschland etwas gebessert, sonst werden wir den sicheren Erfrierungstod sterben... ;-)

Seitenanfang | galerie Fotogalerie 6

Sonnenuntergang...
Letzte Erinnerungen...
...auf Koh Chang
...an Koh Chang

Texte © 2006 Rainer Kuhn, *Fotos © 2006 Tanja Kuhn, Rainer Kuhn. Alle Rechte vorbehalten.

Homepage www.asiatravels.de